Vor einigen Jahren träumte ich, dass unsere Mama mit 86 Jahren vor einer Entbindung steht. Ich dachte mir während des träumens, so ein Schmarrn, meine Mama ist 86 Jahre, was ist das denn für ein Traum!

Am nächsten Morgen erinnerte ich mich noch ganz genau an diesen Traum und plötzlich wußte ich, wie dieser zu deuten war. Die Entbindung im Traum war die Ab-Trennung von unserer Welt hinüber in die Seelenwelt, von der unsere Mama vor 86 Jahren auch Ent-bunden wurde. Ein Kreislauf ist damit beendet. Ihr Erdenweg vollbracht!

Die Seele und alles was sie zu Lebzeiten erlebt und gesammelt hat nimmt sie mit, um es den ewigen Schöpfer von Allem was ist, zu übergeben. Ihr Auftrag ist damit erfüllt! Sie konnte und durfte wieder nach Hause kommen. Ihr Weg hier auf unserer Welt, ihr Lebensweg beendet. Sie nimmt ihr Seelenleben wieder auf. Das ist die Ent-bindung. Als Seele entbindet sie sich von ihrer Seelenfamilie und als Mensch entbindet sie sich von ihrer Menschenfamilie.  Und alles was dazwischen liegt, ist das Leben hier auf Erden. Ein sammeln von Lebens-Erfahrungen und Weisheit. Der Mensch ist und bleibt ein Sammler! Und der Mensch ist eine Seele!

Der Körper unserer Mama bereitete sich also zum Ableben vor. Das war sehr traurig, denn die Mama baute auch geistig sehr ab, wir konnten nicht mehr mit ihr sprechen. Sie schaute uns nur noch wie durch eine Nebelwand an. Wie aus einer weiten Ferne. Dieses Zeitfenster kann man bei sterbenden Menschen öfter beobachten.  Der menschliche Geist zieht sich zurück. Im Körper werden alle wichtigen "Daten" die ein Mensch in seinem Leben erfahren und gespeichert hat, abgearbeitet und eingesammelt. Auch erzählen viele Menschen, dass ihr ganzes Leben nochmal an ihnen vorüber zieht, sie durften alle wichtigen Ereignisse noch ein mal anschauen.

Die Schamanen sammeln kurz vor dem Tod, alle Energiezentren über dem Herzen ein, und übergeben alles der Seele. Die Seele nimmt alle Erinnerungen mit nach Hause. Ich konnte es ähnlich sehen. Wenn die Seele sich ganz bewusst zum Sterben vorbereitet, sammelt sie  selbst alles zusammen.

Als unsere Mama dann starb, wurde mir nochmals bewusst, dass es ist eine Ent-bindung, von der einen Welt, zur anderen ist. Die Seele wird, wenn sie als Mensch geboren wird, vom Himmel entbunden. Wenn die Seele den Körper und unsere materielle Welt verläßt, wird sie auch wieder vom Körper entbunden.

Und beides ist mit einem Entbindungsschmerz wahrzunehmen. Wobei es hier auch unterschiede gibt. Dieser Entbindungsschmerz ist jedoch nicht bei allen Menschen gleich. So wie bei einer Geburt, manchmal mit normalen und ein ander mal mit starken Schmerzen.

Ähnlich ist es auch beim Sterben. In dem Augenblick wo die Seele den Körper verläßt, gibt es einen Loslös-Schmerz. Ich weiß jedoch nicht genau wer von den beiden nun diesen Schmerz spürt. Die Seele - oder der Mensch - oder beide gleichzeitig.

Wir hatten eine Tante die begleitete auch viele Menschen beim Sterben. Sie sagte mal zu mir, als wir uns darüber unterhielten, nicht bei allen Menschen habe ich diesen Loslösschmerz beobachten können. Einige schlafen einfach hinüber.

Aber alle Körper tragen dann den tiefen Frieden in ihren Gesichtern. Und im Zimmer ist eine unendliche Stille! Eine Stille der Ewigkeit. Nur so kann ich es beschreiben! Auch als eine liebe Freundin von mir gestorben ist, war nachher als die Seele fort war, tiefer Frieden und die Stille der Ewigkeit im Raum. Und dann kam unendliche Liebe in mein Herz. Die Seelenliebe der Dankbarkeit! Sie ist unbeschreiblich schön!

Die Seelenliebe der Dankbarkeit ist unbeschreiblich schön!

In dem Augenblick als die Seele unserer Mama von Erzengel Gabriel abgeholt wurde, wehte draussen ein leichter Wind. Das Sonnensegel vor dem Fenster blähte sich auf und senkte sich wieder. Ich wußte sofort, jetzt ist der Augenblick der Loslösung gekommen. Eine feierliche Stimmung war im Zimmer - unsere Mama wird abgeholt. Dann kam der Entbindungs-Loslösschmerz im Gesicht der Mama. Doch  sofort war die Entspannung im Gesicht zu sehen - und tiefer Frieden und unendliche Stille.

Ave Maria - Gegrüßet seist du Maria voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus.

Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns - Jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen!

 

Mama war eine große Marienverehrerin. Sie hat immer um eine gute Sterbestunde gebetet. Sie hatte eine gute Sterbestunde. 2 Töchter von ihren 4 Kindern und ihre letzte Schwester durften sie begleiten - in die Ewigkeit.  Amen!

Es hört sich vielleicht jetzt seltsam an - aber es war einer der erhebensten Augenblicke meines Lebens. Nach der Verabschiedung im Pflegeheim bin ich noch einen Weg von 1 1/2 Std. nach Hause gefahren.  Und Zuhause - als ich im meinem Wohnzimmer stand,  kam eine Liebes-Dankbarkeits-Welle der Seele von meiner Mama. Das war so ergreifend....  erst dann weinte ich.  Der große Abschied war dann am Grab unserer Mutter zu spüren. 

Dabei viel mir ein Satz von Mama ein, als unser Papa beerdigt wurde, sagte sie: "Mein Gott, da kannst du ja nicht mehr schnaufen, wenn soviel Erde auf dir drauf liegt!"  - Und dann gleich darauf: Jetzt war ich schon bei sovielen Beerdigungen dabei, aber sowas hab ich mir noch nie gedacht! 

Unsere Eltern und ihre Eltern und deren Eltern  sind unsere Ahnen, die eines Tages neben uns stehen und uns liebevoll in die Arme nehmen, wenn die letzte Stunde für uns als Menschenkind gekommen ist.

Erst dann beginnt wieder das Seelenleben, im Licht - Im Himmel - In Freude und Leichtigkeit. Wir freuen uns, dass wir wieder Zuhause sind. Zuhause bei Vater-Mutter-Gott!

Nur auf der Erde, in den Familien, hier ist große Trauer, Verzweiflung. Nicht verstehen können - warum ist das passiert? Wie konnte Gott so grausam sein. Warum hat er nicht aufgepasst? WARUM? WARUM? WARUM?

Es gibt leider nur eine Antwort darauf. Die Seele hat mit Gott-Vater-Mutter den Zeitpunkt des Ablebens hier Erden bestimmt. Alles wird im Himmel vorbereitet - bereits vor der Geburt hier auf Erden. Der Erdenweg ist vorbestimmt. Wir Menschen selbst können das nicht immer hinnehmen und verstehen.

Nur durch Vertrauen in die göttliche Führung und Weisheit können wir in unserem Herzen wahrnehmen und annehmen, dass es so ist - wie es ist.

Und alles geschehe zu unserem allerbesten Wohle und im Einklang mit dem göttlichen Plan!

In Verbindung mit dem göttlichen Hohenselbst und unserer Seele und dem Ur-Vertrauen in die göttliche Führung und Weisheit, können wir vielleicht die unendliche Trauer besser überwinden und verstehen, verarbeiten.

Ich möchte allen Trauernden die Hilfe suchen, den Trost, den heilenden Seelenbalsam auf die Wunden legen, den heilenden Balsam des ewigen Lebens senden. Und wer weiß - vielleicht suche ich Selbst auch einmal nach tröstenden Worten und bin froh über meine eigenen Worte die ich mir selbst geschrieben habe.

Die Seele selbst sagt:

alles ist gut, so wie es ist! Alles was war,  ist gut so, wie es war! Ich Bin - die / der Ich Bin - in alle Ewigkeit. Ich bin reine liebende Seele und habe hier auf Erden meinen Auftrag erfüllt. Ich bin nun Daheim im ewigen Licht, von wo ich einst fortgegangen bin.

 

Eine Reise ist beendet - eine neue Reise beginnt.

 

 

 

Das Tor zum ewigen Licht ist geöffnet

             Barbara Oppitz 12.6.2018