Vater unser im Himmel

"Ja?"

Unterbrich mich nicht! Ich bete!

"Aber du hast mich doch gerufen!"

Ich dich gerufen? Äh... nein, eigentlich nicht. Das beten wir so: Vater unser im Hmmel.

"Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch mit mir zu beginnen, oder? Also, worum  gehts?"

Geheiligt werde dein Name.

"Meinst du das ernst?"

Was soll ich ernst meinen?

"Na, daß du meinen Namen heiligen willst. Weißt du was das bedeutet?"

Es bedeutet, ... es bedeutet, ... meine Güte, ich weiß nicht was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?

"Es heißt, daß du mich ehren willst, daß ich dir einzigartig wichtig bin, daß dir mein Name wertvoll ist."

Aha. Hm. Ja, das verstehe ich, Also: Dein Reich komme dein Wille gescheh, wie im Himmel so auf Erden.

"Tust du was dafür?"

Daß dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich spende bei Adveniat und Misereor. Außerdem bezahle ich meine Kirchensteuer!

"Ich will aber mehr: daß dein Leben in Ordnung kommt, daß deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst verschwinden; daß allen Menschen geholfen werde, daß Kranke geheilt werden, Trauernde getröstet und Hungernde gespeist werden!"

Warum hältst du das ausgerechnet mir vor!? Was glaubst du, wieviele stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen! Knöpf´dir doch die mal vor!

"Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, daß mein Reich kommt und mein Wille geschieht! Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet!"

Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern...

"Und Heinz?"

Heinz? Jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, daß er mich öffentlich blamiert, daß er total gemein zu mir ist und mich schon wütend macht, bevor er nur den Mund aufmacht...

"Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?"

Ich meinte es nicht so.

"Na, du bist wenigsten ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß mit soviel Wut im Bauch herumzulaufen?"

Es macht mich krank!

"Ich will dir helfen. Vergib Heinz, und ich vergebe dir. Dann ist die Überheblichkeit und Wut, Heinz´Sünde, und nicht deine. Vielleicht bringt dir das wieder ein Stück Frieden ins Herz."

Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.

"Ich helfe dir dabei."

Und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen...

"Nicht lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst."

Wie meinst du das?

"Du kennst doch deine schwachen Punkte. Angeberei, Agression, Alles-Haben-Wollen. Gib dem Versucher keine Chancen!"

Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je betete. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.

"Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende."

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

"Weißt du, was ich herrlich finde! Wenn Menschen wie du anfangen, mir ihr Herz zu öffnen, mich zu hören, mich ernst zu nehmen. Dann können sie das tun, was mein Wille ist und wirken mit , daß mein Reich kommt."

 

nach Clyde Lee Herring, aus Buzz